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Warum Psychotherapie nichts bringt

Vorweg eine Richtigstellung: Natürlich ist der Titel überzogen. Natürlich hilft Psychotherapie vielen Menschen. – Wenn das bei dir der Fall ist, und du mit Psychotherapie gute Erfahrungen hast, dann gratuliere ich dir und empfehle dir, bleib dabei. Dann ist dieser Beitrag NICHT für dich.

Ich möchte mit dem Titel die Menschen erreichen, die sich bei dieser Aussage denken: Endlich sagt das mal jemand. Denn, manchen spricht das aus der Seele, weil sie seit Jahren in Therapien sitzen, von Therapeut zu Therapeut und Methode zu neuer Methode springen, ohne dass sich etwas geändert hat.

Du hast über deine Kindheit geredet, über deine Mutter, deinen Vater und über deine Schulzeit, über die Muster, die sich immer wiederholen. … Du weißt mittlerweile alles über dein Problem, aber trotzdem stehst du emotional noch immer an derselben Stelle.

Heute beleuchten wir, was die Ursachen sind, warum die klassische Psychotherapie bei so vielen Menschen keine Heilung bringt und auch nicht bringen kann. Wir analysieren sehr unbequeme Wahrheiten, die die Ursachen erklären, warum das so ist.

Ich weiß, das ist keine positive Behauptung, die ich mache, aber ich sage das nicht um irgendein Bashing gegen die Schulpsychiatrie oder Therapie zu betreiben, sondern das, was ich heute mit dir teile sind evidenzbasierte Tatsachen, die du selbst als Wahrheiten erkennen wirst, wenn du zu diesen Menschen gehörst, die therapeutisch gesehen, in einem Hamsterrad laufen.

Aber ich möchte unbedingt herausstreichen, dass ich hier auch nicht von Akutsituationen rede. In Akutsituationen oder psychischen Ausnahmezuständen, wo jemand eventuell sich selbst oder andere gefährdet, ist die Schulpsychiatrie und dementsprechende Medikamente das absolut Richtige. Ich rede von Psychotherapie, wenn jemand bereits wieder selbst der Herr im eigenen Hause (Kopf) ist.

Wir beleuchten die vier Kern-Themen, die die Ursachen sind, warum die klassische Psychotherapie bei so vielen Menschen versagt:

  • Gruppentherapie
  • Eltern und Herkunftsfamilie
  • Das Verneinen der Ist-Situation
  • Nonsens der Logik

Gruppentherapie

Das Innen nach außen zu bringen, damit es endlich aufgearbeitet und verdaut werden kann, ist die Essenz, von erfolgreicher Therapie.

Wenn man das in einer sicheren Gruppe machen kann, dann bringt das eine gewaltige Heilung mit sich. Denn alle psychischen Leiden haben im Grunde auch immer etwas mit der Verleugnung des Geschehens durch die TäterIn oder die TäterInnen zu tun. Egal ob du in deiner Kindheit misshandelt, missbraucht oder vernachlässigt wurdest.

Die TäterInnen sagen ja nicht: “Ja, klar. Das war falsch und ganz schlimm, was ich dir angetan habe. Es war brutal und gemein. Ich stelle mich der Verantwortung und mache eine Selbstanzeige.”

Das macht keine TäterIn, die ihr Kind misshandelt oder missbraucht. Sondern das Gegenteil ist der Fall. Es wird verneint und heruntergespielt. Und als traumatisiertes Opfer wirst du dann noch beschuldigt entweder “falsch” zu sein, oder dass du dir die Sachen einbildest oder übertreibst.

Eine Gruppe, die mit Empathie zuhört und deine traumatischen Gefühle nicht verneint oder ins lächerliche zieht, sondern dich in Empathie versteht, gibt dir eine neue emotionale Erfahrung. Das ist die Essenz von erfolgreicher Therapie: Neue emotionale Erfahrungen.

Emotionale Erfahrungen machen psychisch krank.

Nicht Wissen über Negatives hat dich krank gemacht, sondern negative Erfahrungen haben dich krank gemacht. Und genau deshalb können dich auch nur neue, positive Erfahrungen wieder heilen und nicht irgendwelches Wissen über etwas Positives.

Daher kann Gruppentherapie die effektivste Form von Therapie sein. Denn so eine echte und ehrliche Gruppenerfahrung kann durch nichts ersetzt werden.

Warum ist aber schulmedizinische Gruppentherapie so nutzlos, wenn es um psychische Heilung geht?

In Gruppentherapien, die nach dem schulpsychiatrischen Muster ablaufen ist es quasi strengstens verboten über seine psychischen Verletzungen zu sprechen oder sein Inneres nach außen in die Gruppe zu bringen.

Letztendlich wird dir in diesen Gruppentherapien noch mehr psychisches Leid verursacht.

Warum ist das so?

Angenommen du sagst in so einer Gruppentherapie, dass du noch immer darunter leidest, dass du als Kind misshandelt wurdest. Dann grätscht sofort der Therapeut dazwischen und erklärt dir das ein Wort wie “misshandelt” nichts in der Gruppe zu suchen hat. Denn misshandelt ist so ein “schlimmes Wort”, dass es andere Gruppenteilnehmer triggern könnte. So ein Thema wie Misshandlung ist daher völlig unpassend für eine Gruppe und darf daher nur ganz geheim ein einer Einzeltherapie ausgesprochen werden.

Denke einmal darüber nach, was diese Aussage des Therapeuten, im Patienten anrichtet.

Der Therapeut sagt letztendlich: “Du bist mit deinem Thema unzumutbar für andere Menschen. Dein Thema ist so abartig und pervers, dass es geheim gehalten werden muss.”

Damit wird der Patient auf das allerübelste beschämt und als abnormal etikettiert. Er wird sogar re-traumatisiert mit der Wucht der Gruppe. Denn das Schweigen der Gruppe ist ja die gefühlte Zustimmung zur Aussage des Therapeuten.

Das ist der Grund, warum klassische Gruppentherapien, in der Praxis, keine Heilung bringen und auch nicht bringen können.

Eltern und Herkunftsfamilie

Das scheinbar größte Tabuthema überhaupt: Die Eltern

Das scheint das heißeste Eisen in der Psychotherapie zu sein, dass sich fast kein Therapeut angreifen getraut. Der Gedanke, dass Eltern einen Einfluss auf die psychische Krankheit des Patienten haben könnten, wird von der klassischen Therapie grundsätzlich ausgeblendet.

Deshalb möchte ich hier betonen, dass das, was ich über die Zusammenhänge von Familie und psychische Krankheiten sage nur meine persönliche Wahrnehmung ist und ich Einsichten wiedergebe, die ich aus meinen persönlichen Erfahrungen bekommen habe.

So wie ein Apfel von einer gewissen Art von Bäumen hervorgebracht wird, so wird ein Depressiver von einer gewissen Art von Eltern hervorgebracht.

Es mag vielleicht gewisse Ausnahmen geben. Aber grundsätzlich kommen depressive Menschen und Borderliner so gut wie immer aus emotional dysfunktionalen Familien. Nicht aus wirtschaftlich dysfunktionalen Familien. Emotional dysfunktionale Familien sind wirtschaftlich oft extrem funktional und erfolgreich.

Emotional dysfunktionale Familien sind, nach meiner Beobachtung, Familien in denen versucht wird gewisse Wahrheiten zu verdrängen oder sie durch Lügen zu ersetzen. Das kann Erbschaftsangelegenheiten betreffen, oder Kuckuckskinder, oder Adoptivkinder, oder auch Verbrechen oder Missbrauch. Die Wahrheiten, die verdrängt werden oder durch Lügen ersetzt werden, können verschiedenste Sachen sein.

Sehr oft geben Eltern auch ihre unverarbeiteten Probleme, die sie selbst nicht lösen können oder wollen, an ihre Kinder weiter.

Es gibt sogar einige Studien die zeigen, dass der psychisch Kranke, in der Familie, eigentlich oft der einzig “normale” ist. Und der psychisch Kranke reagiert deshalb mit einer Krankheit, weil er das ambivalente Lügenkonstrukt der Familie nicht mehr erträgt. Gleichzeitig ist er aber so mit der Familie verstrickt, dass er sich nicht von ihr lösen kann. Zumindest nicht aus eigener Kraft.

Statt die klassische Therapie versuchen würde, dem Patienten zu helfen, sich von den Verstrickungen der Familie zu lösen, um ein autonomes Subjekt zu werden, versucht er den Patienten wieder in die Familie hineinzuverstricken.

Da wird dann in der Therapie hin und her gedoktert mit den Eltern und das Ganze wird dann als Belastungstreffen oder Belastungsprobe bezeichnet. Das ist wie jemanden zu erklären, dass auf die heiße Herdplatte zu greifen, eine gute Idee sei.

Das wirklich große Problem ist, dass es extrem schwierig ist, eine eigene Identität zu entwickeln ohne Familie. Also ohne Herkunftsfamilie. Weil wir identifizieren uns genetisch und biologisch gesehen über unsere Herkunftsfamilie. Und wenn uns diese krank macht, dann müssen wir uns von ihr trennen – emotional trennen. Dazu braucht es jemanden der dir hilft, dich von der Familie zu trennen und nicht jemand der dich wieder in die Arme deiner Folterknechte treiben will.

Sich in Frieden von seinen Eltern zu trennen – denn das ist dabei ganz wichtig, dass da kein Groll und keine Wut mehr ist – ist extrem schwierig.

Der nächste Punkt betrifft vor allem Traumapatienten:

Das Verneinen der “Ist Situation”

Du kannst aus einer Problemsituation nur dann herauskommen, wenn du die Probleme, die da sind, löst. Wenn du die Probleme verneinst, wirst du niemals aus der Problemsituation herauskommen. Darauf gebe ich dir mein Wort.

Ich sage jetzt ein ziemlich hartes Beispiel: Wenn du einem klassischen Therapeuten sagst: “Ich bin ein totaler Lebensversager.” Dann wird er, zu geschätzt 99 %, sagen: “Nein, das stimmt nicht.” Und er wird dir eine Litanei aufzählen, warum du kein Versager bist, in seinen Augen.

Damit ist die komplette Therapie zum Scheitern verurteilt. Du sagst, du bist in Paris und der Therapeut sagt, du bist in Berlin – und das Ziel ist Hamburg. Das funktioniert nicht.

Und vor allem: Wenn du mit 35 in Psychotherapie bist, dann ist, bei dir doch, wahrscheinlich vieles im Leben gescheitert. Weil, wenn dich jemand mit 18 Jahren gefragt hätte, wo du mit 35 sein willst, dann war dein Ziel sicher nicht, dass du mit Depressionen in Psychotherapie sein willst. – Oder?

Damit bist du, zu diesem Zeitpunkt, ein Lebensversager. Und du kommst da nur raus, wenn du dieses Versagen annimmst und wirklich in alle Einzelteile zerlegst und versuchst die Ursachen dafür herauszufinden und zu lösen.

Ich weiß nicht, woher diese Angst bei den Therapeuten kommt. Vor diesem bösen Wort “Versager”. Haben die Angst, dass das so endgültig, so final sein könnte?

Aber das ist genauso wenig final, wie wenn du krank bist. Dann sagst du ja auch ich bin krank und versuchst nicht die Krankheit zu verneinen, indem du dir einredest, du seiest gesund.

Oder wenn du arbeitslos bist, ist das ja auch nicht final. Du kannst ja nur wieder Arbeit finden, wenn du die Tatsache akzeptierst, dass du jetzt arbeitslos bist. Nix anderes ist es beim Versagen.

Und ganz schlimm wird es, wenn ein Traumapatient bei einem Verhaltenstherapeuten sitzt.

Als Traumapatient wirst du behandelt, wie man vor 100 Jahren versucht hat, Depressive zu behandeln. Da wurde denen die Depression quasi abgesprochen, weil sie bräuchten sich ja nur ein bisschen zusammenreißen und sollten sich doch Beispiele an anderen nehmen, denen es noch schlechter geht und die trotzdem nicht depressiv wären.

Nur ist man dann irgendwann draufgekommen, dass diese Methode keinen heilt, sondern im Gegenteil, dass die Selbstmordrate, mit diesem Therapieansatz, exorbitant angestiegen ist.

Als Traumapatient geht es dir in der klassischen Therapie wie vor 100 Jahren den Depressiven. Da wird dir – nicht de jure, aber de facto – dein Trauma abgesprochen. Du sagst, du kommst nicht klar mit gewissen Dingen, wegen speziellen Erlebnissen in deiner Vergangenheit – hauptsächlich Kindheit. Und den Therapeuten fällt meistens nichts anderes ein, als zu sagen: “Das mit der Vergangenheit ist unwichtig. Wichtig ist nur das hier und jetzt. Was kannst du jetzt tun damit es dir besser geht?”

Quasi, dein Haus brennt. Löschen ist aber anstrengend. Das wollen wir ja nicht. Also was kannst du tun damit es dir jetzt gleich besser geht? Am besten den Kopf in den Sand stecken und so tun, als ob das Haus nicht brennen würde. Das ist so quasi die Therapieidee der Verhaltenstherapeuten.

Du kannst ja selber entscheiden, ob das eine sinnvolle Therapiemethode ist.

Ich sage: “Für die, die im Hamsterrad bleiben wollen ja. Aber für die, die mental gesund werden wollen, wohl eher nicht.”

Der Nonsens der Logik in der Therapie

Als erstes möchte ich hier erwähnen, dass Erkenntnis immer der erste Schritt zur Besserung ist. Aber: Nicht logische Erkenntnis. Die bringt gar nichts. Sondern: Emotionales Erkennen. Darum geht es.

Jeder Alkoholiker weiß auf der logischen Ebene, dass Alkohol schlecht für ihn ist. Das bringt ihn aber genau Null.

Psychische oder emotionale Krankheiten sitzen im impliziten Gedächtnis, das nicht nur im Kopf ist, sondern im ganzen Körper. Das ist das emotionale, auf Ereignissen und Erlebnissen beruhende Gedächtnis. Quasi unser unbewusstes Gedächtnis. Das hat im Gehirn völlig andere Speicherorte als das explizite Gedächtnis.

Das implizierte Gedächtnis ist nicht nur im Gehirn sondern vor allem auch im Vagusnerv und in den Körperorgangen. Und das beeinflusst oder verändert man nicht mit Logik.

Das Explizite Gedächtnis ist das Wissensgedächtnis und auf logischen Ergebnissen beruhende Gedächtnis. Quasi unser bewusstes Gedächtnis.

Ich habe es vorher schon beim Thema Gruppentherapie erwähnt. Das, was uns entweder krank oder gesund macht, sind emotionale Erfahrungen und nicht logisches Wissen. Aber es kursiert noch immer diese hartnäckige Idee, dass man sein Problem verstehen muss, um es lösen zu können. Und das ist eine der größten Stumpfsinnigkeiten, die es gibt.

Wenn dein psychisches Problem – also Depressionen, Burnout oder Borderline – mit Logik zu lösen wäre, dann glaube ich erstens, dass du es bereits gelöst hättest. Und zweitens, wäre dann ein Mathematiker als Therapeut besser als irgendein Psychofritze. Richtig?

Psychische Probleme sind grundsätzlich unlogisch. Deshalb braucht es meistens auch unlogische Methoden, um sie zu korrigieren und zu heilen.

Das vielleicht beste Beispiel ist EMDR. Eine völlig unlogische Methode aber laut Studienlage liefert EMDR um ein vielfaches bessere Ergebnisse als jegliche Pharmatherapie oder herkömmliche Gesprächstherapien.

Und im Zusammenhang mit diesen logischen Ideen bleiben Traumapatienten oft komplett allein gelassen, mit ihren Problemen. Denn viele Traumapatienten haben ganz existenzielle Fragen wie zum Beispiel:

  • Kann ich überhaupt sicher sein, in dieser Welt?
  • Darf ich überhaupt da sein, in dieser Welt?
  • Habe ich eine Existenzberechtigung?

Das sind die essenziellen Fragen, die aber nichts mit Logik und logischem Wissen zu tun haben, sondern das sind absolut emotionale Themen.

Traumatisierte Menschen wissen zwar logisch, dass sie da sein dürfen und ein Recht auf Leben haben, aber ihre Emotionen kennen die Erfahrung der Existenzberechtigung nicht. Und das wird immer von den Eltern verursacht und nicht vom Nachbarn oder dass es beim Spazieren auf einen herunterfällt.

Als ganz praktisches Beispiel: Wenn zum Beispiel die Mutter oder der Vater zu einem Kind sagt: “Wir hätten dich abtreiben sollen.” Dann ist das für ein Kind keine logische Information, sondern der emotionale Tod. Das ist eine emotionale Erfahrung für das Kind, dass es nicht erwünscht ist, dass es nicht sicher ist, dass es nicht berechtigt ist, zum Leben. Und daraus werden dann in späterer Folge psychische und auch psychosomatische Krankheiten.

Wenn ein Nachbar das zu einem Kind sagt, dass von seinen Eltern geliebt ist, dann ist das Kind vielleicht schockiert, aber nicht traumatisiert. Weil die Eltern dem Kind dann sehr wahrscheinlich erklären, dass der Nachbar kein akzeptabler Mensch ist, und seine Aussagen einfach nur dumm sind.

Die Erlebnisse die ein Kind mit den Eltern hat, sind die Verurscher von entweder mentaler und emotionaler Gesundheit oder von Traumata und psychischen Krankheiten.

Ich freue mich für dein Engagement, dass du bis zum Schluss dabei bist.

Alles Gute

Helmut

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