Das, was du als deine Persönlichkeit identifizierst, ist nicht deine Persönlichkeit, sondern emotionale Defizite aus deiner Kindheit.
Emotionale Defizite haben kein Ablaufdatum. Wenn du deine emotionalen Schulden nicht begleichst, führen dich die Zinsen und die Zinseszinsen irgendwann einmal in den emotionalen Bankrott. Das ist das, was wir dann
- Depressionen,
- Burnout
- oder Persönlichkeitsstörung
nennen.
Jede unterbrochene Emotion ist eine offene Position in deinem Leben, die Gebühren einfordert. Während du hier diese Zeilen liest, erhöht sich dein emotionales Soll.
Jede Emotion, die du weggedrückt hast, anstatt sie zu fühlen, jede Trauer, die du unterdrückt hast, jede Wut, die du verdrängt hast und durch vielleicht durch ein Lächeln ersetzt hast, und auch jedes Mal, als du gesagt hast „Mir geht’s gut”, während du vor Stress gar nicht wusstest wo dir der Kopf stand – all diese Situationen haben ein Schuldenkonto eröffnet, dass du irgendwann (mit Zinsen) bezahlen musst.
Ich sage dir wahrlich: Du wirst nicht von dannen herauskommen, bis du auch den letzten Heller bezahlest.
Matthaeus 5:26
Das Postulat, das ich heute aufstelle:
Jede nicht zu Ende verarbeitete Emotion, eröffnet ein Schuldenkonto, das von deinem Nervensystem mit Zins- und Zinseszinsen bezahlt werden muss. Es sind aber keine Schulden, die wir selbst verursacht haben oder die wir nicht zahlen wollten. Unsere emotionalen Schulden und Defizite haben unsere Eltern verursacht. Aber die Kinder müssen diese Schulden bezahlen und auch die Zinsen.
Das, was wir als unsere Persönlichkeit wahrnehmen, oder als Persönlichkeitsmerkmale, als Persönlichkeitsstörung oder auch als Depressionen oder Bunout bezeichnen ist nichts anderes als unbezahlte emotionale Rechnungen aus der Kindheit.
Der Zwang, ständig beschäftigt sein zu müssen, kommt nicht von tatsächlichem Tatendrang oder Ehrgeiz. Oder, wenn du Ruhe nicht genießen kannst, liegt es nicht daran, dass deine Sucht nach Stress ein tatsächliches Persönlichkeitsmerkmal von dir wäre. – Das sind Zinsen, die du bezahlst, auf deine Emotionalen Schulden.
Was sagt die Psychoanalyse dazu?
Wenn in deinem Leben irgendein emotional überforderndes Ereignis passiert, das dein Nervensystem nicht verarbeiten kann, dann löst sich diese Energie nicht in Luft auf, sondern wird als gefährliches und unlösbares Ereignis konserviert und verdrängt. Und zwar in deinem Nervensystem und über den Vagusnerv, auch in deinem Körper. Das entscheidende dabei ist:
Es wird keine Erinnerung gespeichert, sondern das Erlebnis wird konserviert.
Normale, verarbeitete Erlebnisse werden im Gehirn über die Amygdala und den Hippocampus als Erinnerungen in verschiedenen Teilen der Großhirnrinde (Kortex) gespeichert.
Erlebnisse, die wir nicht verarbeiten können, werden nicht an den Hippocampus weitergeleitet, sondern bleiben in der Amygdala stecken und werden dann nicht in der Kortex (Großhirnrinde) sondern irgendwo im subkortikalen Nervensystem und über den Vagusnerv auch im Körper und den Organen gespeichert, bzw. konserviert ist der richtige Terminus.
Etwas Verdrängtes kann nicht vergessen werden!
Vergessen ist ein inaktiver Prozess, bei dem die Erinnerungen einfach schwächer werden und verblassen. Die Verdrängung ist im Unterschied zum Vergessen ein aktiver Prozess, der einen ständigen psychischen Aufwand erfordert. Die Psychoanalyse bezeichnet es als Verdrängungsarbeit, bei der die Erlebnisse konserviert werden.
Jemand mit einem Trauma wird nicht daran erinnert, sondern dieser Mensch tritt wieder mitten in das konservierte Geschehen ein. Das sind zwei komplett verschiedene Paar Schuhe:
Erinnern versus Wiedererleben
Du bist vielleicht 45 Jahre und bist in einem Restaurant beim Essen und plötzlich passiert irgendetwas, dass das konservierte Trauma triggert. Vielleicht die Art wie die Bedienung mit dir spricht, oder vielleicht fällt der Bedienung das volle Tablett runter, oder dein Begleiter oder du selbst verschüttest etwas. Und plötzlich bist du nicht mehr 45 und im erwachsenen Modus, sondern du bist 8 Jahre alt. Deine Beine zittern oder deine Hände schwitzen und du bist plötzlich weit über ein für die Situation adäquates Maß gestresst und du weißt nicht warum. Das ist wiedererleben. Du tauchst in ein konserviertes Erlebnis ein, ohne aber zu wissen, was das eigentliche, das ursprüngliche Erlebnis ist.
Die Neuro-Biologie hinter konservierten Erlebnissen.
Wenn eine massive Bedrohung uns gefährdet, wird von unserem autonomen Nervensystem eine Lösungs-Reaktion hervorgerufen. Das ist keine bewusste Entscheidung. Die möglichen Reaktionen kennst du wahrscheinlich:
- Kampf,
- Flucht,
- Angststarre oder
- Aufgeben, Unterwerfen.
Wenn die jeweilige Reaktion ausgeführt werden kann und zu einem Ende kommt, dann wird es als Erinnerung gespeichert.
Zum Beispiel, wenn du kämpfst und gewinnst, aber auch wenn du verlierst, ist die emotionale Reaktion abgeschlossen. Wenn du flüchtest und du entkommst, ist die emotionale Reaktion abgeschlossen. Wenn du aufgibst und weinst, und jemand rettet dich oder tröstet dich, dann ist die emotionale Reaktion abgeschlossen.
In diesen Fällen wird dein Nervensystem wieder in den Normalzustand zurückversetzt. Und das Ereignis als Erinnerung abgespeichert.
Wenn aber die Reaktion, die das autonome Nervensystem für uns ausgewählt hat von uns nicht ausgeführt beziehungsweise nicht zu Ende geführt werden kann, dann muss die mobilisierte Energie, all das Adrenalin, das Cortisol, das hochgefahren wurde, irgendwohin. Diese Energie, kann sich (wie jede andere Energie) NICHT in Nichts auflösen und wird dann irgendwo im Körper eingeschlossen / konserviert.
Das heißt: Wenn du nicht kämpfen kannst, weil du eben ein Kind bist und der Gegner vielleicht deine eigene Mutter oder dein Vater ist. Wenn du nicht fliehen kannst, weil die Gefahr dein eigenes Zuhause ist. Wenn dein Weinen nicht getröstet, sondern bestraft oder beschämt wird. Dann wird die mobilisierte Energie als nicht bewältigbare Situation im Körper konserviert.
Vielleicht hast du Knieschmerzen oder Kreuzschmerzen oder verspannte Schultern und warst bei 20 Ärzten, aber keiner weiß, woher die Schmerzen kommen, weil keine organische Ursache dafür gefunden werden kann. Oder Magengeschwüre sind vielleicht die verbreitetste Krankheit, die von unverarbeiteten Emotionen kommt. Oder du leidest an permanentem Stress und denkst vielleicht, dass du einfach eine gestresste Persönlichkeit bist, weil es du gar nicht mehr weißt, wie sich Gelassenheit anfühlt. Oder du bist in entscheidenden Momenten immer wie gelähmt und die Lösungen fallen dir immer erst dann ein, wenn es bereits zu spät ist. Die Liste ließe sich fast unendlich weiterführen.
Was du für deine Persönlichkeit und unerklärliche Krankheiten hältst, sind oft nur die Summe deiner verdrängten Emotionen.
Wie entstehen eigentlich Persönlichkeitsmerkmale?
Die oberste Priorität des Gehirns – seine allerwichtigste Aufgabe – ist es vorherzubestimmen, was als nächstes passieren könnte. Andernfalls würden wir bei Rot über die Ampel fahren oder bei grün stehenbleiben, oder überhaupt mit dem Auto gegen eine Wand fahren, wenn unser Gehirn nicht vorhersagen würde, was dann passieren wird.
Wenn also ein emotionales Ereignis ungelöst bleibt, beginnt das Gehirn, nach ähnlichen Bedingungen zu scannen die vor diesem Ereignis stattgefunden haben. Als Präventionsmechanismus.
Dein Gehirn baut eine geistige Landkarte auf, um die Wiederholung dieses Ereignisses zu vermeiden. Und diese Landkarte sagt dir dann:
- Halte dich von solchen Menschen fern.
- Sag ja nicht, wie es dir wirklich geht.
- Fühle dich auf keinen Fall sicher in diesem Raum.
- Kontrolliere immer zweimal, ob du … zugeschlossen hast, den Herd ausgemacht hast, usw.,
- Verliebe dich nicht in einen anderen Menschen, sondern kaufe dir lieber eine Katze
- Setzte dir keine Ziele, sonst wirst du enttäuscht
Diese Vermeidungen werden dann irgendwann zu deiner Persönlichkeit und deinem Leben. Für viele Menschen ist ihre berufliche Karriere nichts andres als eine Ablenkungsstrategie für ihre emotionalen Defizite. In romantischen Beziehungen werden emotionale Schulden oft auf den Partner projiziert. Und der Partner wird verantwortlich gemacht für die eigenen emotionalen Defizite.
Pseudopsychologen nennen das Komfortzone. Es ist aber eine Schutzzone. Eine Schutzzone die dein Nervensystem um die konservierten, unverarbeiteten Erlebnisse in deiner emotionalen Landkarte errichtet hat. Das ist alles.
Die Strategien, die Menschen verwenden, in der NAIVEN Hoffnung, den emotionalen Schulden zu entkommen
Emotionale Schulden haben kein Ablaufdatum und irgendwann pfändet das Schicksal. Es pfändet aber NUR die Zinsen davon ein. Die Zinstilgung oder die Zinsen-Pfändung reduziert aber niemals die Grundschuld – das Grunddefizit.
Und du kannst das beobachten. Gehe in eine Psychiatrische Klinik und du wirst feststellen, dass die Patienten allesamt Dauerpatienten sind. Das, was in der Klinik und in der Schultherapie bearbeitet wird, sind nur die angehäuften Zinsen, die dann letztendlich zum Burnout oder zu Depressionen oder zu Persönlichkeitsstörungen geführt haben.
Und sein Herr ward sehr zornig und überantwortete ihn den Folterknechten, bis daß er bezahlte alles, was er ihm schuldig war.
Matthaeus 18:34
Die häufigste Strategie die Menschen benutzen – und das auf der ganzen Welt – in der Hoffnung und dem Glauben, dass sie damit Ihren Defiziten entfliehen können, ist:
Betäubung
Sich irgendwie, meistens durch eine Sucht, betäuben – irgendeine Art von “Drogen” oder Suchtmittel, um das, was in ihrem Leben eigentlich zu tun wäre, zu vergessen.
Diese Betäubungsmittel sind: Alkohol, Medikamente, Rauchen, Kiffen, durch Instagram oder TikTok scrollen, Essen, Pornos schauen, Shoppen – Kaufsucht, Netflix Serien schauen, … usw.
Wenn wir ehrlich sind: Das machen wir nicht, weil es uns tatsächlich befriedigt oder erfüllt. Wir tun es, um unsere Defizite nicht zu fühlen. Betäubung und Ablenkung ist viel einfacher, als unsere Defizite zu fühlen. Das, was wir dem Leben schuldig sind.
Warum machen wir das?
Weil es, für den Moment, funktioniert. Und das Geschäftsmodell unsere Kultur ist quasi darauf ausgerichtet. Es wird uns immer leichter gemacht uns mit Alkohol, Essen, Drogen, Pornos, usw. zu betäuben. Deshalb ist es so schwer, damit aufzuhören.
Fast alle glauben, dass wenn sie mehr Disziplin hätten, dann könnten sie aufhören mit Pornos, Rauchen, Essen, Alkohol, … Aber Disziplin ist dann auch wieder nur eine Ersatzdroge.
Die zweithäufigste Strategie ist:
Leistung
Wobei Leistung nur eine Unterkategorie von Betäubung darstellt. Man versucht mit seiner Leistung irgendwie andere Menschen zu beeindrucken oder sich von anderen Menschen zu unterscheiden.
Das kann exzessiver Sport sein, oder Arbeitssucht, Perfektionismus, oder aber jemand der einfach versucht immer der lustigste im Raum zu sein (Klassenclown), oder der charmanteste, oder der coolste, …
Wer versucht seinen Wert durch Leistung zu bestätigen oder zu bekommen, bezahlt damit nur die Zinsen seiner emotionalen Schulden.
Liebe und Beziehungen
Die meisten Beziehungen beruhen nicht auf Liebe, weil man den Partner tatsächlich liebt. Die meisten Beziehungen beruhen auf “brauchen”. Man braucht sich gegenseitig und hofft, dass der Partner die eigenen emotionalen Defizite ausgleichen könnte.
Man merkt das oft im Überfunktionieren von Partnern. Wenn ein Partner versucht alle Wünsche des anderen zu erfüllen, ohne dabei auf seine eigenen Bedürfnisse zu achten. Aber das ist nicht wirkliche Liebe, sondern eine Vermeidungsstrategie, um sich nicht mit seinen eigenen emotionalen Defiziten zu befassen.
Wir wählen auch meistens nicht einen Partner, den wir uns wünschen, sondern jemanden, bei dem wir unsere erlernte Idee von Liebe wiedererkennen. Das heißt:
- Wenn dein Gehirn in deiner Kindheit gelernt hat, dass Liebe mit Angst verknüpft ist, dann wirst du dich mit Menschen, die dir Angst machen, zwar geängstigt, aber auch geliebt fühlen.
- Wenn Nähe mit Kontrolle verknüpft war, fühlst du dich geliebt von Menschen, die dich kontrollieren.
- Wenn Liebe mit Bedingungen verknüpft war, dann kannst du keine Liebe annehmen, sondern du musst sie dir verdienen.
Wir lassen Menschen links liegen, die uns das anbieten oder geben, was wir möchten – und laufen Menschen hinterher, die uns das anbieten oder geben, was wir kennen.
Das Helfersyndrom
Menschen, die versuchen, ihre emotionalen Schulden dadurch zurückzuzahlen, indem sie nur für andere da sind. Auch das funktioniert nicht. Und das siehst du bei jedem einzelnen mit Helfersyndrom. Du kannst deine Defizite nur dann begleichen, wenn du für dich da bist und nicht für andere.
Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist, dem Teufel und seinen Engeln! Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben
Matthaeus 25:41,46
Wie du emotionale Schulden zurückzahlst
Das Einzige, dass funktioniert – und das ohne Ausnahme – ist: Emotionales Verstehen.
Was passiert in einer Therapie, wenn sie wirklich wirkt?
Es ist nicht das logische Verständnis oder das kognitive Lernen, wie man mit bestimmten Situationen umgeht. Oder die Diagnose, die erklärt, warum man so ist wie man ist. Es ist nicht der Logische Moment, in dem du verstehst, was von außen dein Problem ist.
Es ist der Moment, in dem du emotional verstehst, was los ist und du emotional das Problem annimmst so wie es ist. Und du aus diesem Problem heraus nach außen schaust und den Weg von innen heraus suchst, wo du hin möchtest.
Die Lösung: Die Sichtweise von “logisch” auf “emotional” zu wechseln. Und zwar in unaufhörlichen Schritten. Das ist wichtig! Egal ob die Schritte groß oder klein sind – das ist nebensächlich. Unaufhörlich und ausdauernd ist der Schlüssel. Es gibt keinen: Den einen Schritt! – Es sind viele Schritte. Es gibt keine Ausnahme.
Die Zinszahlungen wahrnehmen
Versuche deine Zins-Zahlungen wahrzunehmen – vom Unbewussten zum Bewussten. Der erste Schritt ist zu lernen, das Muster zu erkennen. Wenn du unverhältnismäßig stark reagierst. Wenn du bestimmten Gefühlen ausweichst, und Ausreden dafür findest.
Du musst das ursprüngliche Ereignis gar nicht kennen. Das ist die gute Nachricht. Du musst nur die Zins-Zahlungen sehen, die du leistest. Das ist die erste Wechsel in der Sichtweise – von, ich sehe von außen, was ich mache zu, ich nehme innerlich wahr, dass ich für eine emotionale Blockade, ein emotionales Defizit bezahle. Diese Wahrnehmung ist ein wichtiges Störgeräusch, das dir hilft, den automatisierten inneren Dialog zu stören.
Dein Verhalten benennen
Der zweite Schritt ist: Benenne dein Verhalten, das dich von deinen emotionalen Defiziten ablenken will. Das verschiebt deine Sichtweise um ein weiteres kleines Stück – von automatisiertem Verhalten zu einem zugeordneten, benannten Verhalten. Einem emotional bewussten Verhalten.
Genau so extrem simpel wie es klingt, genau so extrem wirksam ist es. Du sitzt nicht mehr da und überisst dich einfach, sondern benennst dein Verhalten und nimmst es dadurch emotional anders wahr:
- Ich überesse mich jetzt gerade.
- Ich bin jetzt gerade perfektionistisch.
- Ich lebe jetzt gerade ein Helfersyndrom.
- Ich versuche jetzt gerade unbedingt die Situation zu kontrollieren.
- Ich rauche jetzt gerade.
- Ich trinke jetzt gerade.
- Ich schaue mir gerade wieder Pornos an.
- … Was es auch immer ist.
Wichtig! Nicht bewerten, verurteilen, entschuldigen oder schönreden und vor allem: Versuche es nicht zu ändern oder zu stoppen. – es ist vollkommen egal, ob du damit aufhörst, oder nicht. Du nimmst es einfach nur wahr und benennst es einfach nur. Denn benennen schafft Distanz zwischen dir und dem automatisierten Verhalten. Das ist eine ganz wichtige Veränderung für dein Gehirn. Einen Namen im Kopf zu haben ist etwas ganz anderes, als ein automatisierter Ablauf.
Distanz schafft neue Sichtweisen
Also: In dem Moment, in dem du emotional erkennst, dass dein Verhalten nicht deine Persönlichkeit ist, entsteht eine Art Störgeräusch für das automatisierte Verhalten und es fängt an ein bisschen zu stocken. Es ist noch keine Wende, es ist ein Stocken. Diese Veränderung der Sichtweise macht die Arbeit – automatisch ohne Willensanstrengung.
Das Geheimnis ist die Permanenz. Das unaufhörliche, bewusste Wahrnehmen von der Verhaltensweise, die dein Unterbewusstsein als Lösung für ein emotionales Defizit wählt.
Bewusst Fühlen.
Du wirst dich niemals aus emotionalen Defiziten herausdenken. Darauf gebe ich dir mein Wort. Du kannst dich nur herausfühlen.
Das gute an dieser Methode, die ich dir gerade erkläre, ist, dass du nicht dein ursprüngliches Trauma fühlen musst, du musst es ja nicht einmal kennen. Denn daran scheitert es meistens. Weil unser Unterbewusstsein das Traumagefühl ja um jeden Preis vermeiden will – deshalb zahlen wir ja Zinsen oder man könnte auch sagen: Lagergebühren.
Die Lagergebühren, die wir bezahlen müssen, für den Raum, den das unverarbeitete Trauma in unserem Nervensystem einnimmt.
Mit dieser Methode kannst du fühlen, ohne dass es sich wie sterben anfühlt. Ohne dass du das Gefühl hast zu ertrinken oder zu verbrennen. Dieses Fühlen fühlt sich nach überleben an, nach verarbeitbar, nach heilbar.
Also wenn du ein Zins-Zahlungsverhalten erkennst oder ein Verhalten erkennst, wo du weißt, das ist eigentlich nur die Miete für die Lagerhaltung einer emotionalen Blockade, dann:
- Nimm es wahr. Drücke es nicht weg, sondern hole es in dein Bewusstsein.
- Benenne es. Gib ihm einen Namen. Schaffe eine Distanz zwischen dem Verhalten und deiner Persönlichkeit.
- Versuche zu fühlen, was gerade in deinem Körper passiert. Wo du im Körper welche Gefühle hast. 10 bis 30 Sekunden.
Und das Fühlen ist kein Wettbewerb oder ein Problem, das man lösen muss. Du musst auch nicht intellektuell verstehen. Es geht einzig und allein darum, die Gefühle in deinem Bewusstsein landen zu lassen. Damit verschiebt sich die emotionale Sichtweise wieder um ein Stück.
Es geht dabei nicht darum das Verhalten zu unterdrücken oder zu verändern oder emotional etwas zu reparieren. Du darfst dein Verhalten weiterhin ausleben – Rauchen, Trinken, Überessen, den Helfersyndrom Modus, … Der einzige offensichtliche Unterschied ist, dass du es eben 10 bis 30 Sekunden später machst. Das ist alles. Du brauchst sonst nichts zu machen.
Aber in deinem Nervensystem passiert hingegen so einiges: Es lernt, dass Gefühle ankommen dürfen. Da sein dürfen. Das es wahrnehmen darf, ohne gleich automatisiert zu reagieren. Es lernt, dass Gefühle da sein und auch wieder gehen dürfen, ohne daran festzuhalten. Dadurch lernt dein Nervensystem, in kleinen Häppchen, Gefühle loszulassen. Emotionen loszulassen.
Was noch wichtig ist und ich bis jetzt noch nicht erwähnt habe:
Wenn du deine automatischen Reaktionen nicht gleich bemerkst, also du dich bereits überessen hast oder dich mitten im Helfersyndrom-Modus befindest, dann ist das auch völlig in Ordnung. Du kannst es auch später wahrnehmen, benennen und versuchen zu fühlen was emotional passiert war.
Das ist eine “Do It Yourself” Methode, die dir unglaublich helfen kann, schlechte Verhaltensweisen zu verändern – nicht morgen, nicht in zwei Wochen, aber in 6 Monaten, einem Jahr, in zwei Jahren.
Das ist keine Methode, die man anwendet und dann wieder in den alten Modus wechselt. Das wäre eine wie eine Diät mit darauffolgenden JoJo Effekt. Diese Methode musst du sehen wie eine dauerhafte Ernährungsumstellung – von automatisiert reagierend auf bewusst wahrnehmend und Schritt für Schritt selbstbestimmt reagierend.
Alles Gute
Helmut





